Dann erzählte sie ihm alles. Unterbrochen wurde nur zum Mittagessen – selbst die fast schon heilige Mittagsruhe wurde ausgelassen. Es dämmerte bereits als sie schloss und Rudi konnte eh’ nichts mehr aufnehmen. So einigten sie sich darauf, es gut sein zu lassen, zumal auch Mo – jetzt da sie relaxen konnte – deutliche Spuren der Erschöpfung ob ihrer langen Suche nach dem Pelzer zeigte.

Er holte sein selbstgemachtes Fichtentriebe-Bier hervor, das etwa so wie Federweißer schmeckte. Dazu gab es mehrere Pfeifen gestopft mit Zerrdorn. Der Abend und ihre Stimmung wurden ausgelassener und ihr Humor herber – schreckte aber keinen von dem Anderen ab. Schließlich holte er noch ein Fläschchen Selbstgebrannten hervor und bald schon ging es wortwörtlich drunter und drüber, bis Mo aus ihrem Sitz auf den Holzboden glitt und weg war. Behutsam nahm er sie auf und trug sie zu seinem Bett. Er wickelte sie in seine Ziegenfelldecke ein und legte sich daneben. Er war so breit, das er einfach nur irgendwie zu liegen kommen musste, um sofort einzuschlafen.

Als er erwachte, öffnete er erst einmal nur ein Auge und auch das nur eine Idee weit. Dann tat er einen unmotivierten Blick aus dem Fenster. Er sah die familiären Kronen der benachbarten Bäume, doch die Helligkeit des Morgens tat seinen Augen weh. Die Frau neben ihm atmete ruhig und gleichmäßig im Tiefschlaf. Er nickte wieder ein.

Die gestrige Party-Nacht war genial gewesen. So genial wie jetzt das lange Liegenbleiben. Allabendlich vor dem Zubettgehen pflegte er ums Erwachen zu beten, wenn er es nicht vergaß.

Etwas, das man vielleicht als selbstverständlich erachtete - nicht so Rudi. Für ihn war das gar wohl der Rede wert und so empfand er sich, beim Erwachen zu einem neuen Tag glorreichen Lebens, als Glückspilz. Leider waren ihm solch’ friedliche Betrachtungen heute nicht vergönnt. Plötzlich schreckte er hoch und Kenntnisnahme des gestrigen Feierns brach über ihn herein. ‘Zechen war’s gewesen. Ernsthaftes Zechen. Und viel zu viel Gerauche. Scheiße’ – er konnte kaum atmen!