Wenig später stand eine duftende Schale Tee für jeden auf dem kleinen Tischchen. Die Veranda war über und auf einem starken mannsdicken Ast errichtet. Um einen anderen Ast, der vom Hauptausläufer senkrecht in die Höhe wuchs, hatte Rudi die Bohlenbretter zur Veranda angelegt, den Senkrechttrieb gekappt und mit darauf genagelter runder Tischplatte als Tischbein verwendet. Der wohl feinste Natur-Teetisch, den man sich vorstellen konnte. Kaum hatte er den Tee abgestellt, verschwand er schon wieder. Mo hörte ihn ächzen und schnaufen. Dann erschien er mit einem riesigen Ohrensessel, unter dessen Gewicht er fast in die Knie ging. So saßen sie hoch über dem Erdboden beieinander und schlürften den Tee mit Milch und Ahornsirup.

Rudi bemerkte, dass Mo in Gedanken oft ganz weit weg zu sein schien und schwieg.

Als sie gedankenverloren vor sich her murmelte:

„…es sieht so aus, als ob ich ihn gefunden hätte…“,

horchte er allerdings auf.

Ihre Blicke trafen sich und voller Überraschung gewahrte er einen sehr ernsten, ja harten Zug in ihrem Gesicht.

Sie sagte:

„Ja, Rudi, nun bin ich hier!“

Da das offensichtlich war, blieb er stumm.

„Lange bin ich unterwegs gewesen“, begann sie, „ich war auf der Suche nach Dir“.

Er blieb stumm.

„Ich bin eine Ob-Frau aus der Stadt Kurz“.

Es saß also eine Ob aus Kurz vor ihm. In seinem Schaukelstuhl. Auf seiner Veranda. Nicht, dass ihn das sonderlich erschüttern könnte. Pelzer – und insbesondere er – wurden leicht unterschätzt. Immer meinten die Leute, es mit einem Doofen zu tun zu haben, dem man alles erklären musste.

„Und?!“, fragte er deshalb provozierend.

„Eine Mission, die ich zu erfüllen habe, hat mich hierher geführt“.

Rudi blieb stumm, starrte jetzt aber voller Hingabe auf einen imaginären Punkt im Blätterdach seiner Haus-Eiche.

„Von dieser Mission hängt vieles ab. Nicht alles – so wichtig dürfen wir uns niemals nehmen – aber doch sehr viel.“