Sie lachte in sich hinein, ob des Anblickes, den er ihr bot. Er trug eine weite Latzhose aus wetterfestem Tweed. Seine Brust und Arme waren stark behaart, was sie im Gegensatz zu ihrem gestrigen Beobachten jetzt aus der Nähe sehen konnte. Er trug weder Hemd noch Jacke. Seine Füße steckten in breiten mit Nägeln beschlagenen Schnürstiefeln. Sein Schopf bildete sich aus einem wilden, verfilzten Gewirr pechschwarzer Haare, die ihm bis

über die Schultern herabfielen. Solche langen, wollig-strubbeligen Zopf-Strähnen in derart üppiger Dichte hatte sie noch nie gesehen.

‘Irgendwie verwegen’, dachte sie. Seine Haut hatte einen milchig aschgrauen Ton und wirkte borkig, ein klein bisschen wie der Baum, den er bewohnte. Seine Augen waren mandelbraun. Seine Erscheinung gut-proportioniert und männlich. Obwohl er höchstens einen halben Kopf größer als sie war - so etwa 5 Fuß drei von Scheitel bis zur Sohle. Das letztere bemerkte sie äußerst erbaut, denn sie hasste es, zu anderen aufblicken zu müssen.

Mit ebensolch unverhohlenem Interesse musterte er sie. Am meisten stach ihm ihr rötlich-braunes Haar in die Augen. Eine Farbe wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Außer bei den Füchsen vielleicht. Über ihre kurze kaminrote Joppe hatte sie sich ein kariertes, mit baumelnden Fransen versehenes Tuch um die Schultern geworfen. Den langen grauen Umhang hatte sie aufgerollt an einer Trageschnur von der Schulter hängen. Sie trug einen weiten Rock aus dunkelbraunen Leinen, von feinen weißen Streifen der Länge nach durchwebt. Instinktiv musste er an die Seefahrt und das Meer denken. Die Sandalen an ihren Füßen ließen den Blick auf kleine braungebrannte Zehen zu. Von ebensolcher Bräune war ihr Gesicht. In der Nase saß ein winziges Juwel. Unter dem rechten Auge hatte sie ungefähr in der Mitte von den unteren Wimpern ausgehend eine zierliche spiralförmige Tätowierung. Ihre Wangen waren voll, aber nicht fett. Ihre Augen fast so braun wie die seinen. Insgesamt kam sie ihm etwas gedrungen vor. Alles war ein klein wenig kürzer und stämmiger als bei seinem Volke. Wenn ihre Weiblichkeit diesen Eindruck auch etwas verfeinerte, so ahnte er doch, dass sie voll ungeheurer Kräfte steckte.

„Mein Name ist Rudi“, sagte er schließlich und brach damit den Bann des langen gegenseitigen In-Augenschein-Nehmens.

„Ich heiße Mo“, lächelte sie zurück und blickte ihm ruhig in die Augen.

„Setz’ dich doch, Mo, ich mache uns Tee“, entgegnete er, und als er in die Küche entschwinden wollte, bemerkte er noch:

„Nimm’ den Schaukelstuhl – ich bringe mir eine andere Sitzgelegenheit mit raus“.