„Sicher. Nur mein Profitum allein wird uns zum Abendessen keinen Fisch in die Pfanne zaubern können. Also, was soll’s sein, Mo?“

„Äh, ja, gerne werde ich das mit dir tun. Ich sage, lass’ uns dann gehen!“, antwortete sie.

So war also, ungeachtet des Ereignisses ihrer Begegnung, alles wie an jedem anderen Tage auch im Faulwald. Alles ging seinen Gang. Sie bekam das Gefühl, dass es schon immer so gewesen war und nichts diese alltägliche Ruhe stören könnte. Und damit kam sie, ohne es zu wissen, dem Wesen dieses Ortes sehr nahe.

Sie näherten sich dem Fluss und standen schließlich an seinem von Schilf und Binsen gesäumtem Ufer. Sie nahm mit Seligkeit das Schöne des vielen Grüns in sich auf. Der Genuss des Erlebens eines Sommertages in diesen gesegneten Gefilden erfüllte sie mit heller Freude. Und sie spürte deutlich, dass alle Wesen, Tiere wie Pflanzen, miteinander kommunizierten. Sie fühlte die Schwingungen in der Luft. Nahm die Gerüche auf. Hörte die Geräusche. Und wurde sich eindringlich bewusst, dass sie am Leben war. Ein berauschend schönes Gefühl. Sie war viel zu lange, verdammt lange, in Kollaps geblieben!

Rudi hatte unterdessen etwa zehn Ruten entlang des Ufers verteilt und in den weichen sumpfigen Boden gesteckt. Heute sollte beißen was biss, ohne das aufwendige Fliegenfischen.

An einem schattigen Plätzchen unter einer großen Buche machte er ihnen inmitten von Blauglöckchen ein Lager. Mit den dicken überirdischen Baumwurzeln als Kopfstütze machten sie es sich gemütlich und dösten in den Tag hinein. Vergessenheit des Selbst und der Welt machte sich breit. Sie tagträumten, entledigt aller Sorgen.

Der Tag gönnte es ihnen und die Welt war in Ordnung.

Sie waren einander in Ordnung.