Dann kramte er seinen großen Tragekorb, geflochten aus Korbweide mit Haselnuss-Stangen-Gestell hervor, schulterte ihn über, nahm seinen fein geschnitzten vielfach gewundenen Efeuholz-Wanderstab aus der Ecke bei der Tür und stieg zum Boden des Waldes hinab.

Der Faulwald war ein riesiges Waldgebiet, gelegen zwischen der Düstersteppe im Norden und dem Meer des Aufruhrs, Assault, im Süden. Zerschnitten von den Fluten des Flusses Ent-Mur in dessen Mündungsbereich. Eine kompakte, grüne, undurchdringliche Lebensgemeinschaft. Die Weite der Steppe im Norden und die Weite des Meeres im Süden waren den Bewohnern des Waldes höchst unbehaglich, weswegen sie so gut wie keine Kontakte zur Außenwelt unterhielten, außer Rudi bzw. den anderen ‘Spezialisten’ unter ihnen. Der Wald sorgte für sie alle – sie alle sorgten für den Wald.

Warum also nach dem Unbekannten schielen?!

Die Pelzer hatten für ihr Wesen einen besonderen Ausdruck: >kommodig<. Leider lässt sich dieser Begriff in anderen Sprachen kaum wiedergeben. Man muss schon mit Pelzern gelebt haben, um zu verstehen was >kommodig< so alles beinhaltet und bedeutet.

Rudi hatte sich auf den Weg zu den Stromschnellen gemacht. Er wollte dort nach Forellen jagen und wilden Knoblauch pflücken, dem seiner Meinung nach bestem im ganzen Faulwald. Mit gemächlichem Wanderschritt strich er über den moosigen Boden. Am Fluss wählte er ein höher gelegenes felsiges Ufer, zwängte sich durch den nah am Rande wurzelnden Stechginster und gab sich dann ganz der Beschäftigung des Angelns hin. Er band eine dicke mitgebrachte Fliege an, ließ die Schnur in weitem Bogen ins rauschende Wasser sausen und den Köder nahe der Oberfläche mit der Strömung treiben. Dann holte er das ganze wieder ein und begann den Vorgang von neuem. Manchmal verhaspelte sich die Schnur beim Einholen, doch hatte er sie schnell wieder flott. Bald schon stand die Sonne im Zenit und er streckte sich im weichen Gras aus, seine Mittagsruhe zu halten wie es einem kommodigen Pelzer geziemte.