Der Tanz beginnt

 Kapitel 1

„Rudi„

* * * * *

Er reckte seine Glieder, fühlte seine Wirbelsäule sich in die Strohmatratze bohren und erwachte blinzelnd. Durch das Fenster sah er auf einem Ast seiner Haus-Eiche ein Eichhörnchen sitzen, das geschäftig seinen buschigen Schwanz putzte.

Rudi wickelte die Bettdecke aus Ziegenfell erneut um seine Füße und ließ sich genüsslich nochmals zurücksacken in den herrlichen Zwischenzustand aus Träumen, dösendem Fantasieren und Erwachen. So verharrte er wohl noch ein gutes Viertelstündchen bis der immer mehr anlaufende Organismus dieser Faulheit überdrüssig wurde und sich keine Bequemlichkeit mehr einstellen wollte. So schlug er das Bett auf, schlüpfte in seine Filzpantoffel und stieg die Leiter zur Wohnküche hinunter. Das Feuer glimmerte noch, seiner Umsicht zu verdanken, allabendlich immer noch ein besonders dickes Scheit aufzuwerfen. Mit ein paar geübten Handgriffen war es wieder geschürt und der kleine gusseiserne Kessel, gefüllt mit Wasser, hing an seinem Haken. Während der Porridge vor sich hin blubberte, wusch er sich nach Art aller Pelzer mittels einiger Eukalyptus-Blätter, die er zerrieb und sich über Hände, Hals und Gesicht strich.

Danach setzte er sich auf die kleine Veranda vor der Küchentüre, 20 Fuß über dem Erdboden und schlürfte den köstlichen warmen Haferbrei in sich rein. Der Faulwald war mittlerweile voll erwacht. Nach dem Frühstück stopfte er seine kleine handgeschnitzte Horn-Pfeife mit getrocknetem Zerr-Dorn, lehnte sich in seinem Schaukelstuhl zurück und inhalierte genüsslich.

, sprach er mit volltönender Stimme in das grüne Laubdickicht hinein. Rudi hatte als junger alleinstehender Pelzer die Angewohnheit, laut mit sich selbst zu schnacken. ‘Das mit-sich-selbst-Schnacken gibt einem das Gefühl, in den ewigen Da-Seins-Tanz aller Lebensformen mit eingebunden zu sein’ pflegte eine alte Pelzerweisheit zu sagen. Rudi hielt solche Weisheiten für Gedöns, tat es aber selber – man entkam eben kaum seiner anerzogenen Prägung.