Darauf wusste Lena nichts zu sagen. Greif stand Wache und seine Unruhe verriet ihnen allen mehr als überdeutlich, dass sie hier nicht verwei-

len konnten. Nicht eine Minute! Da nahm Jard die für seine Verhältnisse kleine Essdin-Dame hoch und setzte sie sich huckepack auf den Rücken. Dabei sah er sie mit einer Miene an, die ihr ganz klar zeigte, dass er ihren Schmerz verstand. Denn auch er hatte vor kurzem erst den Bruder verloren, zu dem er in besonders innigem Verhältnis gestanden hatte, wie sonst nur Zwillinge zueinander.

Es gab nichts weiter zu sagen und so ging es weiter mit ihrer nasskalten Flucht durch den Sumpf. Jetzt bildete Lena die Nachhut und dunkelste Gedanken umwölkten ihren Geist. Ihr Sein war leer, erschöpft, kaputt und am Ende. Das Schicksal und der Tod waren unerbittliche Wirklichkeiten und sie wusste, dass sie nicht mehr konnte und es auch sie bald einholen würde. Doch zuvor wollte sie einmal noch die Heimat wiedersehen.

 

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Die Glodin Frauen hatten einen schräg an den Baum gelehnten Unterstand aus Ästen und Zweigen errichtet und mit Grassoden gedeckt. Die Baumkräftigen hatten dann allerdings derart nachgebessert, dass das Schutzdach praktisch unsichtbar war, da es nun einer der riesigen Kraken-Baumwurzeln täuschend ähnlich war.

Dort lag weich gebettet die neue Mala, die Baumgeburt Tiamas. Behütet und umsorgt von den weiblichen Baumkräftiginnen der Badoh. Albacast, die Nervenstarke. Taxlar, die Kräftige. Und Auracat, die Besonnene.

Nun saßen sie mit ihren Männern zusammen, während die beiden männlichen Baumkräftigen der Badoh, Silfra, der Einfallsreiche und Malcobju, der Willensstarke, im Umkreis des Kernbaumes Wache schoben, vor allem den nahen Kurzweg immer im Blick.

Die Glodin berieten sich. Sie waren ihrer Vision gefolgt. Hatten unterwegs diesen tapferen Ranck-Mann getroffen und den ominösen Splitter erhalten. Waren zum Kernbaum gekommen und hatten getan, wie ihnen die Bilder geheißen hatten. Nun gab es eine neue Mala. Außerdem diese Schutz- bzw. Kraftbaumwesen der Badoh. Es galt zu ergründen, wie es nun weitergehen sollte. Was ihre Bestimmung war.