Der Alte sprach:

„So nimm diese bescheidene Gabe unseres Dorfes entgegen, das dir heute in dieser unwürdigen Weise im Namen der Welt Dank sagen möchte. Du hast uns mit den Deinen die Befreiung aus dem Leid der unausgesprochenen aber dennoch komplett vollzogenen Versklavung gebracht. Dafür danken wir dir. Die Kette hat aber noch eine weitere Bedeutung über den Dank hinaus. Sie übergibt dich dem Schutz unserer einhundertacht Gottheiten. Und ihr Name hat für dich auch noch eine angenehme Doppelbedeutung, hihihi…“

Gluckste der Alte in sich rein, während Ischkot höflich schwieg.

Dann fuhr der Greis fort:

„Hunderte Male an jedem Tag zählt ein jeder von uns die Knochenperlen ab. Jede Zählung gilt als Mantra, das die Götter anruft. In jedem Mantra wirst ab sofort auch Du mit einbegriffen sein. Die Gebetskette der Einhundertacht nennen wir die Mala, hihi. Ein uraltes Wort aus einem lange vergangenen Kashmir-Dialekt, das so viel wie Kranz bedeutet. Eine Mala für den Mala, hihi.“

 

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Im fernen Ørr-Mur Sumpf zuckte Brigida Marumafundru plötzlich zusammen. Es war, als würden ihr die Füße unter den Beinen weggezogen. Plötzlich wurde ihr schwarz vor Augen, sie taumelte und musste sich auf einen umgestürzten Baum setzen.

Trotz der Bedrohung durch die sie verfolgenden Opfelds des PSI kümmerte sich Lena sofort um sie.

„Was ist denn los? Ist dir nicht gut, Brigida?“

Die Angesprochene guckte starr vor sich hin und ein Anflug unendlichen inneren Schmerzes lief ihr über das Antlitz:

„Es ist Rosé. Ich glaube…ich glaube…sie ist nicht mehr.“

„Was?“

„Etwas Schreckliches ist ihr passiert!“

„Das bildest du dir nicht nur ein, oder? Du bist ja ganz blass!“

„Nein, das bilde ich mir nicht nur ein! Vor wenigen Augenblicken hat das Herz meiner Schwester für immer aufgehört zu schlagen…“