Autonomie

Kapitel 1

 „Die Lade ist nicht mehr“

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Ischkot war zum Umfallen müde.

Erschöpft hatte er sich etwas abseits auf erhöhtem, gut verstecktem Sitz niedergelassen und beobachtete das Lager, das wie leer vor ihm lag. Und tatsächlich war es nun auch leer. Bis auf die Toten, die er selber erschlagen hatte bzw. die Toten, die ihr Giftgebräu dahingerafft hatte und die wenigen noch lebendigen, sich auskotzenden und vom Dünnpfiff hingerafften Männer. Alle noch kampffähigen Terwock waren dem König ins Innere der Höhle gefolgt.

Der Mala legte sich zwischen einige Felsen, über die er locker drüber schauen und das Lager überblicken konnte, wenn er sich nur ganz leicht aufrichtete und schloss für einige Augenblicke die Augen. Unmittelbar und sofort fiel er in einen kurzen aber tiefen Erschöpfungsschlaf, aus dem ihn nach weniger als fünfzehn Minuten ein Rascheln im Gras hochschreckte.

Vor ihm, in einem weiten Halbkreis standen die Kashmir des Dorfes Ülzreme. Ischkot stand auf, ordnete seine Kleider und trat ihnen gefasst entgegen. Ein hochgewachsener, dünner Greis mit silbernem Zipfelbärtchen aus wenigen Haaren, die ihm aber bis weit auf die Brust fielen, kniet sich vor ihm hin und streckte ihm beide Hände, die Handflächen nach oben, entgegen. Darauf lag eine Kette. Eine Gebetskette. Einhundertsieben kleinere, perlengroße Schaf-Horn-Kugeln, mit einer doppelt so großen dazwischen, waren hier an einer fadendünnen Tiersehne aufgereiht und zusammengefasst. Das Schafhorn als Knochen bzw. organische Substanz sollte die Vergänglichkeit allen Seins vergegenwärtigen.

Ischkot nahm die Gebetskette entgegen und wickelte sie sich mehrfach um das rechte Handgelenk.